Geschichte

Urzeit

Die ältesten erhaltenen Nachweise über die Besiedlung der Slowakei reichen bis zum Ende des Paläolithikums von vor ungefähr 250.000 Jahren. Klimatisch gesehen ist dies eine sehr lange Zeit des Wechsels zwischen Eis- und Zwischeneiszeiten. Aus dieser Zeit stammen ein Neandertalerschädel aus Gánovce sowie eine Venusstatuette aus Moravany. Ungefähr 5000 - 4000 Jahre v. u. Z. tauchen erste Bauern auf (Funde von Steinäxten, Keilen, Behältern in der Höhle Domica).

In der Bronzezeit kam auf dem Gebiet der Slowakei eine große Anzahl unterschiedlicher archäologischer Kulturen vor, von denen Funde von zahlreichen Bronzesicheln, eines Wagens mit Rädern aus gekrümmtem Holz sowie Spuren von nagellos erbauten Holzbauten zeugen.

Die Technologien der Eisenzeit erreichten das Gebiet der Slowakei wahrscheinlich aus Anatolien oder Italien. In der Region der Slowakei entwickelte sich allmählich die Förderung von Eisen, Blei, Gold und Salz. Zum ersten Mal erschien hier auch die Töpferscheibe.

Ankunft der Kelten

Seit dem Ende des 4. Jahrhunderts v. u. Z. erreicht das Gebiet der Slowakei in mehreren Wellen das erste namentlich bekannte Ethnikon – die Kelten. Über ihre Anwesenheit blieben schriftliche Zeugnisse in römischen Quellen erhalten.

Die Kelten erbauten befestigte Siedlungen – Oppida. Einige von ihnen, beispielsweise das Oppidum von Bratislava, werden seither nachweislich ununterbrochen bewohnt. Die meisten Kelten lebten jedoch in kleineren Siedlungen. Ihre Häuser bauten sie aus Holz und schlossen sie mit eisernen Schlössern ab. Kelten waren geschickte Handwerker – Schmiede, Töpfer, Münzer, Landwirte sowie Kaufleute. Sie pflegten enge Kontakte mit der griechischen und römischen Zivilisation, die großen Einfluss auf ihre Kultur nahmen.

Römische Inschrift unterhalb des heutigen Burgbergs in Trenčín (178-179 n. Chr.)

Im 1. Jahrhundert v. u. Z. erreichten die Daker das Gebiet der heutigen Slowakei und die keltische und dakische Bevölkerung und Kulturen vermischten sich. Im Jahr 10 v. u. Z. besiegten die Römer jedoch die Daker und verschoben die Grenzen des Römischen Reiches bis zur mittleren Donau. Die dakische Bevölkerung verschwand auf dem Gebiet der Slowakei irgendwann im 1. Jahrhundert u. Z. Mit den Einfällen der Germanen aus dem Nordwesten vollzog sich die Vernichtung der meisten Kelten. Die Kelten hielten sich nur im Norden der heutigen Slowakei bis zum 2. Jahrhundert u. Z.

Am Ende des 4. Jahrhunderts befand sich das Römische Reich bereits in tiefem Verfall. Die in dieser Zeit einsetzende Völkerwanderung trug weiter zum Niedergang des Römischen Reiches bei. Ein Großteil der ursprünglichen Bevölkerung floh aus dem Land oder unterlag im Kampf gegen neue Völker. Durch das Gebiet der heutigen Slowakei zogen zu dieser Zeit viele Stämme - wie beispielsweise Visigoten, Ostrogoten oder Langobarden und Gepiden - in Folge von Angriffen wandernder Hunnen. Diese bildeten ihr Zentrum nahe des Gebietes der heutigen Slowakei – zwischen den Flüssen Tisa und Donau.

Ankunft der Slawen

Einer der Stämme, die in dieser Zeit in mehreren Wellen weiter ins Land vorrückten, waren auch die Slawen. Die ersten Wellen kamen auf unser Gebiet im Verlauf des 5. und des 6. Jahrhunderts. Neue Einwanderer richteten ihr Leben häufig unter der ursprünglichen Bevölkerung ein. Die Slawen kolonisierten zu dieser Zeit nur etwa 10 % des Gebietes, der Rest war immer noch eine wilde, unberührte Landschaft. Sie kannten Gerste, Hirse, Weizen, Mohn und Flachs und ernährten sich durch Landwirtschaft sowie Viehzucht, waren aber auch geschickte Handwerker – vor allem Schmuckhersteller und Töpfer. Im Westen kamen die Slawen in Kontakt mit dem Fränkischen Reich. Da sich die Slawen anfangs an keinen großen Kämpfen beteiligten, sind aus dieser Zeit nur sehr wenige schriftliche Erwähnungen überliefert.

In der Mitte des 6. Jahrhunderts fielen in die Donauebene die Stämme der Awaren ein. Unter ihrem Einfluss hörten die Slawen auf, ihre Toten zu verbrennen und übernahmen die Knochenbestattungen.

Das Reich des Samo

Im 6. Jahrhundert gerieten die Slawen in die Herrschaft der Stämme der wandernden Awaren, was einige Aufstände hervorrief. An einem dieser Aufstände nahm auch der fränkische Kaufmann Samo teil. Auf Grund seiner Tapferkeit und seiner militärischen Qualitäten wählten ihn die Slawen zum König ihres Stammesbundes – des Reiches des Samo (623-658). Nach Samos Tod im Jahre 658 zerfiel dieser slawische Stammesbund jedoch wieder.

Glagoliza
die Heiligen Kyrill und Method

Großmähren

Ab dem 8. Jahrhundert begannen sich die slawischen Stämme wieder zu vereinigen. In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts entstanden zwei neue Gebilde, das Mährische Fürstentum (geführt von mit Mojmír I.) und das Fürstentum von Nitra (mit Pribina an der Spitze). Im Jahre 833 vertrieb Mojmír I. den Fürsten Pribina aus dem Nitraer Fürstentum und verband beide Fürstentümer, wodurch Großmähren entstand. Der vertriebene Pribina ließ sich am Plattensee nieder, wo er die Burgstätte Plattenburg (Blatnohrad) erbauen ließ.

Der steigende Einfluss des Großmährischen Reiches stieß auf den Widerwillen des Ostfränkischen Reiches. In seinen Bemühungen, den ostfränkischen Einfluss loszuwerden, wandte sich der Herrscher Rastislav im Jahre 861 an den Papst Nikolaus I. mit der Bitte um die Gewährung eines Bischofs sowie einiger Priester, um den Klerus auszubilden. Seine Bitte blieb jedoch erfolglos. Mit der gleichen Bitte wandte er sich dann an den byzantinischen Kaiser Michael III., der im Jahre 863 Glaubenslehrer, angeführt von dem Hl. Konstantin und dem Hl. Method, nach Mähren entsandte.

Konstantin (er nahm vor seinem Tod den Ordensnamen Kyrill an) und Method gründeten gleich nach ihrer Ankunft in Mähren die erste slawische Lehrstätte (die Großmährische Akademie, an der sie slawische Geistliche ausbildeten), stellten die slawische Schrift - die so genannte Glagoliza - zusammen, führten das Altkirchenslawisch bei religiösen Zeremonien ein und brachten Übersetzungen von liturgischen und biblischen Texten mit, die sie bereits im Voraus vorbereitet hatten. Ihre Mission in Großmähren nimmt in der Geschichte der Slawen und Slowaken einen besonders bedeutenden Platz ein.

Über den Niedergang des Großmährischen Reiches sind keine genauen Informationen überliefert worden. Nach dem Angriff der wandernden ungarischen Stämme unter der Leitung von Arpad im Jahre 906 oder 907 büßte das Großmährische Reich wahrscheinlich seinen Einfluss ein und zerfiel allmählich. Das Gebiet der heutigen Slowakei begann sich in das neu entstehende Ungarn einzugliedern.

Die Slowakei in Ungarn

Im Jahre 1000 wurde Stefan I., der die Formierung von Ungarn vollendete, erster ungarischer König. Das Gebiet der heutigen Slowakei wurde für nahezu 1.000 Jahre Teil des ungarischen Königreiches. Im 16. Jahrhundert tauchte die türkische Gefahr auf. Ab dem Jahr 1521 zog das Osmanische Reich in Richtung Ungarn. König Ludwig II. aus dem Geschlecht der Jagiellonen unterschätzte die drohende Gefahr. Am 29. August 1526 wurde die ungarische Armee in der Schlacht bei Mohacs geschlagen. Der König selbst ertrank in den Wellen der Donau. Die Niederlage in der Schlacht bei Mohacs stellte die Weichen dafür, dass in Ungarn 175 Jahre lang die Türken herrschten, die erst im Jahre 1683 in der Schlacht bei Wien geschlagen wurden. Danach begann die allmähliche Vertreibung der Türken aus Ungarn, die im Jahre 1685 vollendet wurde.

Im Jahre 1740 bestieg Maria Theresia den Thron. Bekannt ist sie vor allem durch ihre zahlreichen Reformen. So reformierte sie beispielsweise die Armee und gründete Manufakturen, einige davon auch auf dem Gebiet der heutigen Slowakei (Šaštín, Halič, Holíč). In der Landwirtschaft unterstützte sie den Anbau von neuen Nutzpflanzen. Außerdem reformierte sie das Gerichtswesen, minderte einige Strafen und führte den Grundsatz ein, dass alle Bürger vor dem Recht formal gleichgestellt sind. Durch ihre Schulreform (Ratio educationis) führte sie die Schulpflicht ein und legte auch damit den Grundstein für ein höher entwickeltes Bildungswesen.

Ihr Sohn Joseph II. setzte die Reformierung Ungarns fort. Im Jahre 1781 erließ er das so genannte „Toleranzpatent“, durch das er den Protestanten und anderen nicht-katholischen Konfessionen gewisse religiöse Freiheiten zuerkannte. Im Jahr 1785 hob er die Selbstverwaltung der Komitate auf und ersetzte sie durch zehn Staatsdistrikte. Er verschob viele zentrale ungarische Behörden aus dem Gebiet der heutigen Slowakei nach Buda und hob die Leibeigenschaft in Ungarn auf (im Jahre 1781 in Tschechien).

Mária Terézia
Ľudovít Štúr

Die slowakische nationale Wiedergeburt

Der Prozess der Formierung der slowakischen Nation hatte einen außergewöhnlich schweren Verlauf (Unterdrückung seitens des ungarischen Adels, ungarischer Nationalismus und Repressionen auf dem Gebiet der heutigen Slowakei). Zu Verteidigern der slowakischen Rechte wurden die Intellektuellen, vor allem Priester. Zu den Hauptzielen gehörte vor allem die Kodifizierung der slowakischen Schriftsprache.

Als erster bemühte sich der katholische Pfarrer Jozef Ignác Bajza um die Kodifizierung der slowakischen Sprache, der den ersten Roman im Slowakischen mit dem Titel „Erlebnisse und Erfahrungen des Jünglings René“ (René mládenca príhody a skúsenosti) im Jahr 1783 schrieb. Seine sprachliche Form war jedoch nicht gefestigt, weswegen sein Entwurf nicht angenommen wurde.

Die Intellektuellen waren damals in Katholiken und Protestanten geteilt. Die Katholiken forderten eine eigene Sprache für die Slowaken, die Protestanten wollten das biblische Tschechisch und die Einheit der Tschechen und Slowaken durchsetzen und lehnten die Kodifizierung der slowakischen Schriftsprache ab.

Der katholische Pfarrer Anton Bernolák kodifizierte im Jahre 1787 das schriftsprachliche Slowakisch (als „Bernolakisch“ genannt) auf der Grundlage der westslowakischen Mundart.

Der zweite erfolgreiche Sprachkodifikator war Ľudovít Štúr. Anfang des Jahres 1843 machte Štúr seine engsten Freunde mit dem Gedanken vertraut, den katholischen und den protestantischen Strom der Slowaken auf der Basis einer einheitlichen Schriftsprache vereinigen zu wollen. Als Grundlage wählte er die mittelslowakische Mundart vor allem wegen ihrer weiten Verbreitung, ihrer Ursprünglichkeit und Verständlichkeit. Am 11. Juli 1843 trafen sich Ľudovít Štúr, Jozef Miloslav Hurban und Michal Miloslav Hodža in der Pfarrei von Hurban in Hlboké, wo sie das Vorgehen bei der Einführung des Slowakischen in die Praxis vereinbarten.

Die Slowakei nach dem Zerfall Ungarns

Am 28. Oktober 1918 wurde die Slowakei Teil der Tschechoslowakei. Unter den slowakischen Persönlichkeiten machte sich vor allem Milan Rastislav Štefánik um die Gründung der Republik verdient, der als Diplomat in Diensten Frankreichs T. G. Masaryk und E. Beneš half, Kontakte mit Vertretern der Vertragsmächte zu knüpfen. Er organisierte aktiv die Gründung der tschechoslowakischen Legionen. Dies führte zur Herausbildung einer disziplinierten und handlungsfähigen Armee, die „Tschechoslowakische Legion“ genannt wurde. Der erste Präsident des Landes wurde am 14. November 1918 Tomáš Garrigue Masaryk. Die Slowakei war bis zum Jahr 1939, als die erste Slowakische Republik entstand, Satellitenstaat des nationalsozialistischen Deutschland.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Tschechoslowakei erneuert und geriet in die sowjetische Einflusssphäre. Am 11. Juli 1960 wurde die neue Verfassung verabschiedet, in der der Sieg des Sozialismus in der Tschechoslowakei verankert wurde. Die Bezeichnung Tschechoslowakische Republik (Československá republika, ČSR) verwandelte sich in die Tschechoslowakische Sozialistische Republik (Československá socialistická republika, ČSSR), die damit offiziell zum sozialistischen Staat erklärt wurde. Ein Regimewechsel sowie auch eine Wende in der Außenpolitik traten erst im November 1989 ein, als sich die so genannte Samtene Revolution ereignete. Die Tschechoslowakei wurde wieder ein demokratischer und vor allem westlich orientierter Staat. Im Frühjahr 1990 wurde ein Verfassungsgesetz verabschiedet, das auch die Änderung der Bezeichnung des Staates in die Tschechische und Slowakische Föderative Republik (ČSFR) beinhaltete. Im Juni 1990 fanden in der ČSFR erste freie Wahlen statt. Kurz nach der Verabschiedung der Deklaration über die Souveränität der Slowakischen Republik durch den Slowakischen Nationalrat (17. Juli 1992) einigten sich die Sieger der tschechischen und slowakischen Wahlen in Bratislava auf die Teilung des Staates.

Die Verfassung der Slowakischen Republik wurde am 1. September 1992 verabschiedet und am 3. September 1992 unterzeichnet. Am 1. Januar 1993 folgte die friedliche Teilung der ČSFR in die heutigen Slowakei und Tschechien. Nach 75 Jahren der Existenz des gemeinsamen Staates der Tschechen und Slowaken entstand so die Slowakische Republik, deren erster Staatspräsident Michal Kováč wurde.

Milan Rastislav Štefánik

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